Negative Zinsen – was bedeuten sie wirklich?

Banken erheben Strafzinsen für Einlagen, weil Kapital in die Wirtschaftskreisläufe umgelenkt werden soll – gesucht ist Wachstum. Was sagt dieser an sich schon schizophrene Zustand über den Zustand der Wirtschaft aus?

Aufbewahrungsgebühr für Geld

Unter dem Strich lautet die Botschaft: Banken erheben Gebühren dafür, dass Anleger ihr Geld dort deponieren. Das ureigene Bankgeschäft, nämlich aus Geld noch mehr Geld zu machen, wird damit auf eine Spitze getrieben, die am Verstand der Handelnden zweifeln lässt. Das Zeugnis, das vor diesem Hintergrund für die Wirtschaft ausgestellt werden muss, enthält allenfalls noch ein „Ungenügend“ als Note. Die Unsicherheit nimmt zu, auch wenn sich die großen Zentralbanken mit ihren milliardenschweren Vertrauensmassnahmen alle Mühe geben, dem Ganzen einen anheimelnden Anstrich zu geben.

Bereinigung nur mit drastischen Opfern möglich

Das Vertrauen der Marktakteure schwindet weiter, Investitionen werden nicht getätigt, zu ungewiss ist die Perspektive. Die freien und manchmal auch zerstörerischen, aber durchaus bereinigenden Kräfte des Marktes können wegen der vielen Eingriffe und Regulierungen nicht wirken – dabei wäre eben hier die Lösung zu suchen. Eine langsame Heilung des aktuell kranken Zustandes des gesamten Systems ist nicht möglich – ein Schock ist notwendig, der wie ein reinigendes Gewitter die Atmosphäre klärt. Vielleicht wird mit Griechenland eine Initiative gezündet, die an den derzeit so alternativlos dargestellten Grundfesten der europäischen Gemeinschaft rüttelt und zu einem Umdenken führt. Das Potenzial ist allemal vorhanden, zumal sich bereits weitere Kandidaten lautstark zu Wort melden. In diesem Zusammenhang darf die Rolle der EZB auf den Prüfstand kommen – und im besten Fall auf ein gesundes Maß zurechtgestutzt werden.